BAZ_BERICHT_2025

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen , unter denen berufliche Ausbildung derzeit stattfindet, sind alles andere als einfach. Seit geraumer Zeit erleben wir eine Phase steigender Arbeitslosigkeit, begleitet von Insolvenzen und Personalfrei setzungen – insbesondere in industriellen Kernbereichen. Gleichzeitig geht die Zahl betrieblicher Lehrstellen zurück. Für viele junge Menschen wie auch für Erwachsene mit beruflichem Neuorientierungsbedarf bedeutet das: weniger Einstiegsmöglich keiten, mehr Unsicherheit und wachsende Hürden auf dem Weg in eine qualifizierte Beschäftigung. Gerade in solchen Zeiten zeigt sich, wie wichtig Ausbildungsstätten wie das Berufsausbildungszentrum (BAZ) des BFI Wien sind. Einrichtungen, die nicht abwarten, sondern handeln – und seit mittlerweile 39 Jahren Strukturen schaf fen, die Perspektiven eröffnen: für Menschen ebenso wie für den Arbeitsmarkt. Ein besonderer Meilenstein des vergangenen Jahres ist der erfolgreiche Abschluss der ersten Teilnehmer:innen des Öko-Booster-Projekts, das wir gemeinsam mit Jugend am Werk im Auftrag von AK Wien, AMS Wien und waff umsetzen. 14 von 14 Teilnehmer:innen der ersten Öko-Booster-Gruppe im Bereich der Facharbeiter:innen-Intensivausbildung Elektro- und Gebäudetechnik haben die Lehrabschlussprüfung bestanden – eine Person mit Auszeichnung, vier mit gutem Erfolg. Dieses Ergebnis ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Viele der Teilnehmer:innen starteten ihre Ausbildung unter erschwerten Bedingungen – sei es aufgrund psychischer oder sozialer Herausforderungen oder aufgrund eingeschränkter Deutschkenntnisse. Dass sie dennoch innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit einen formalen Berufsabschluss erreichen konnten, ist ein eindrucks voller Beleg für das Potenzial dieses Ausbildungsansatzes. Vor allem aber zeugt es von Fleiß, Durchhaltevermögen und großer Motivation der Teilnehmer:innen sowie vom hohen Engagement der beteiligten Trainer:innen und sozialpädagogische Betreuer:innen. Der Erfolg bestätigt eindrucksvoll, wie wirksam Ausbildungsformate sind, die Fachausbildung und Spracherwerb konsequent verbinden, und unterstreicht einmal mehr, wie wichtig passgenaue, unterstützende Ausbildungsformate in einem zunehmend herausfordernden arbeitsmarktpolitischen Umfeld sind. Passgenauigkeit ist auch das Leitmotiv in der im Berichtsjahr neu zusammen gelegten Schweißerei im BAZ 1. Durch die organisatorische und infrastrukturelle Bündelung konnten Ausbildungsqualität, Ressourcennutzung und Praxisnähe wei ter verbessert werden. Moderne Ausstattung und klar strukturierte Abläufe schaffen optimale Bedingungen für eine zeitgemäße, arbeitsmarktorientierte Ausbildung. Einen anderen, ebenso wichtigen Schwerpunkt setzt unsere Jugendwerk stat t in der Puchgasse, die im diesjährigen Jahresbericht ausführlich vorgestellt wird. Sie richtet sich an junge Menschen, für die klassische Bildungswege oft nicht (mehr) oder noch nicht greifen, und bietet niederschwellig, praxisnah und sozialpädagogisch begleitet reale Chancen auf Orientierung und berufliche Pers pektiven – besonders wichtig vor dem Hintergrund eines schwieriger werdenden Lehrstellenmarktes. Was all diese Beispiele verbindet, ist ein zentrales Prinzip unserer Arbeit: Ausbildung ist für uns nie Selbstzweck, sondern ein entscheidender Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe und zur nachhaltigen Fachkräftesicherung. Möglich wird das durch das große Engagement unserer Mitarbeiter:innen – Trainer:innen, Sozialpädagog:innen und Kolleg:innen in der Verwaltung –, denen mein besonderer Dank gilt. Der vorliegende Jahresbericht gibt Ihnen anhand von Zahlen, Daten und Beispielen einen Einblick in diese Arbeit. Er zeigt, wie wir auf aktuelle Herausforderungen reagieren – und warum wir überzeugt sind: Investitionen in Ausbildung sind Inves titionen in die Zukunft.

Mag. Christian Nowak Geschäftsführer BFI Wien und Geschäftsbereichsleiter BAZ

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine informative und anregende Lektüre.

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